Eine neue Klasse von RNA-Biopharmaka für die Regenerative Medizin

GO-Bio Runde 4 – PD Dr. Carsten Rudolph – ethris GmbH

Arzneimittel Fertigung

Frank Boston - fotolia


Zuwendungsempfänger: ETHRIS GmbH
Förderung: GO-Bio Phase II (01.12.2011 bis 31.05.2015, 3.571.148 Euro)


Projektbeschreibung

Bisher kommen Biopharmaka bei Gen- oder Proteintherapien zum Einsatz. Allerdings bergen Gentherapien unter Umständen gesundheitliche Risiken, etwa weil durch das Einschleusen von Ersatz-DNA Krebs ausgelöst werden kann. Proteine als Medikamente haben wiederum nur eine sehr begrenzte Lebens- und Wirkdauer, was ihre Herstellung und ihre Verwendung aufwendig und teuer macht.

Das Team um Carsten Rudolph hat deshalb die molekularen Abschriften von Genen, die sogenannten Boten-RNAs (mRNAs), als neue Klasse von Biopharmaka für sich entdeckt und für den medizinischen Einsatz weiterentwickelt. Die Münchener Forschenden stellen chemisch veränderte RNA-Moleküle her, die außergewöhnlich robust sind und dazu auch keine Immunantwort im Körper auslösen. Die sogenannte stabilisierte, nicht immunogene mRNA (SNIM-RNA) kann als nacktes Molekül in ausgewählte Zellen oder Gewebe verabreicht werden. Dort beginnen die Transkripte dann mit der Produktion eines therapeutischen Proteins. Das Team um Rudolph hat das Konzept der „Transkript-Therapie“ bereits im Mausmodell erfolgreich erprobt.

2009 wurde die ethris GmbH mit Sitz in Seefeld gegründet, die unter anderem die SNIM-RNA-Technologie kommerzialisieren will. Im GO-Bio-Projekt soll die Transkript-Therapie für den Einsatz in der Regenerativen Medizin weiterentwickelt werden. In Zusammenarbeit mit ethris-Mitgründer Christian Plank vom Klinikum rechts der Isar der TU München werden bioaktive Oberflächen hergestellt und im Tiermodell getestet. Mit SNIM-RNA beschichtete Zahnimplantate oder Knochenersatzmaterialien sollen hierbei körpereigene Heilungsprozesse zusätzlich ankurbeln. Im Verlauf des Projekts sollen die Grundlagen gelegt werden, um alsbald mit klinischen Studien beginnen zu können.

Fortschritte während und nach der Förderung

Im Jahr 2017 gab das Münchner Start-up Ethris eine 5-Jahres-Kooperation mit AstraZeneca bekannt (zur News). Gemeinsam wollen die Unternehmen die mRNA-Therapien weiterentwickeln. Ethris erhält dafür eine Vorabzahlung von 25 Mio. Euro. Im Frühjahr 2020 hat Ethris eine weitere Kooperation mit der Züricher Firma Neurimmune zur Entwicklung einer Inhalationstherapie zur Behandlung von Patientinnen und Patienten, die unter einer Erkrankung mit COVID-19 leiden, verkündet. Erste klinische Studien sollen bereits Ende 2020 starten (zur News).