Neues Therapie- und Diagnoseverfahren zur Behandlung von autoimmunbedingter Herzschwäche

GO-Bio Runde 1 – PD Dr. med. Roland Jahns – Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg | corimmun GmbH

Peptide und Proteine in Herzform

Leonid Andronov - Fotolia


Zuwendungsempfänger: Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Förderung: GO-Bio Phase I (01.04.2007 bis 30.09.2008, 970.397 Euro)

Zuwendungsempfänger: Corimmun GmbH
Förderung: GO-Bio Phase II (01.10.2008 bis 31.03.2011, 2.056.802 Euro)


Projektbeschreibung

Eine Herzschwäche muss nicht immer durch einen Infarkt oder einen Herzklappenfehler bedingt sein. Bei einer großen Anzahl von Patientinnen und Patienten kann eine schwere Herzinsuffizienz auch durch eine fehlgeleitete Attacke des Immunsystems entstehen. Dabei richten sich körpereigene Antikörper fälschlicherweise gegen einen bestimmten Rezeptor in der Wand der Herzmuskelzellen. Dieser spezielle Rezeptor sorgt beim menschlichen Herzen normalerweise dafür, dass das Stresshormon Adrenalin die Pumpe schneller und kräftiger schlagen lässt. Die bei Betroffenen fälschlich gebildeten Rezeptor-Antikörper wirken ähnlich wie Adrenalin. Die hierdurch hervorgerufene unnötige Überstimulation des Rezeptors führt im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden Erweiterung und Funktionseinschränkung der linken Herzkammer.

Im Tiermodell konnte die Arbeitsgruppe um Jahns nun zeigen, dass sich diese schädlichen Rezeptor-Antikörper durch spezielle stabile kurze Eiweißringe (Zyklopeptide) neutralisieren lassen, und damit die Überstimulation des Rezeptors unterbunden wird. Erhielten die Tiere die Zyklopeptide vorbeugend, also noch vor Ausbruch der Krankheit, wurde die Entstehung einer Herzschwäche verhindert. Bei späterer, therapeutischer Gabe der Zyklopeptide ließ sich eine bereits bestehende Herzinsuffizienz sogar wieder rückgängig machen. Im Rahmen der Förderung sollen diese patentierten Zyklopeptide als neues Therapieverfahren systematisch charakterisiert und für einen klinischen Einsatz optimiert werden, um erste Studien an Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche und einem fehlgeleiteten Immunsystem durchführen zu können. Des Weiteren soll mithilfe der Zyklopeptide ein neuartiges Diagnoseverfahren entwickelt werden, um gezielt Betroffene zu identifizieren, die solche schädlichen Rezeptor-Antikörper im Blut haben. Diesen Patientinnen und Patienten könnte dann eine zielgerichtete Therapie angeboten werden. Sowohl das Therapie- als auch das Diagnoseverfahren sollen mittelfristig in die Gründung einer Firma münden, die beide Anwendungsgebiete der Zyklopeptide in Kooperation mit anderen Pharma- und Biotech-Unternehmen in die Praxis umsetzen soll.

Fortschritte während und nach der Förderung

Das Projekt der Universität Würzburg wurde in die Corimmun GmbH überführt. Das Leitmolekül konnte das Interesse von großen Pharmafirmen wecken. Im Jahr 2012 hat Janssen-CILAG aus Neuss dann das Biotechnologie-Unternehmen für 100 Millionen US-Dollar übernommen. Einen Anteil des Erlöses steckte der Mitgründer Götz Münch in die neue Firma AdvanceCor, die nun viele Projekte der Corimmun weiterführt. Im Januar 2020 hat AdvanceCor den Abschluss und positive Ergebnisse bei der ersten Phase-II-Studie mit Revacept verkündet (zur News). Im Mai 2020 gab das Unternehmen den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 3,9 Millionen Euro bekannt. Mit dieser Finanzierung sollen die Daten aus zwei klinischen Studien ausgewertet werden.