Spindiag: Neue Finanzierung zur Markteinführung von Corona-Schnelltest

Mit einer Kapitalerhöhung um 16,3 Millionen Euro will das Freiburger Start-up noch 2020 ihr „Mini-Labor“ zum Nachweis von Coronaviren auf den Markt bringen.

Probenentnahme für Corona-Schnelltest

Spindiag hat Ende Mai eine vierte Finanzierungsrunde mit über 16,3 Millionen Euro zur Förderung ihres SARS-CoV-2-Schnelltestsystems abgeschlossen. Neben den bisherigen Kapitalgebern hat sich Think.Health Ventures als neuer Investor aus dem Bereich Health Care beteiligt. Die Finanzierungsrunde folgt auf eine im April bekannt gegebene Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, die das Unternehmen gemeinsam mit dem Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme erhalten hat.

Das vollautomatische Testsystem „Rhonda“ ist so klein und mobil, dass eine Analyse direkt vor Ort möglich ist. Dafür werden Abstrichproben aus Nase und Rachen in die Testkartusche gegeben, die bereits alle für die Testung benötigten Reagenzien enthält. Anschließend wird die Testkartusche ähnlich wie eine CD in das Analysegerät gegeben und vollautomatisch prozessiert. Bereits nach 30 bis 40 Minuten liegt das Ergebnis vor. Ein weiterer Vorteil des Systems ist, dass kein manuelles Pipettieren der Abstrichproben mehr notwendig ist, was mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht. Das Gerät kann damit dort eingesetzt werden, wo schnelle Ergebnisse besonders wichtig sind. Dies könnte in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens der Fall sein, aber auch an Flughäfen oder in Unternehmen.

Das Freiburger Start-up hat das Rhonda-Testsystem ursprünglich für den Nachweis von multiresistenten Bakterien entwickelt. Mit Beginn der Covid-19-Pandemie haben sie das Testsystem um einen Schnelltest auf SARS-CoV-2 erweitert, der nun als erstes Produkt auf den Markt kommen soll. Das System befindet sich derzeit in der analytischen Prüfung. Mit einer Marktzulassung in Deutschland und der EU rechnet das Unternehmen noch im Jahr 2020. Die Kosten für einen Test sollen deutlich unter 50 Euro liegen.

Das BMBF unterstützt die Entwicklung des Spindiag-Systems seit 2007 mit verschiedenen Förderprogrammen. Die Teilnahme an der Innovationsakademie Biotechnologie im November 2013 gab dem Gründungsteam den entscheidenden Impuls für ihre finale Geschäftsausrichtung. Im Jahr 2016 wurde die Spindiag GmbH mit Sitz in Freiburg gegründet. Im Rahmen von vier Finanzierungsrunden erhielt das Unternehmen bislang 24,9 Millionen Euro zur Produktentwicklung und Vorbereitung des Markteintritts.