NTSC-2: Neue Antibiotika-Ansätze gegen Gonorrhö im Kontext zunehmender Resistenzen : Datum:
Das GO-Bio initial-Verbundprojekt NTSC-2 entwickelt neue therapeutische Strategien gegen Gonokokkeninfektionen (Gonorrhö/Tripper). Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung des Antibiotika-Kandidaten Darobactin, um Resistenzen bei Neisseria gonorrhoeae gezielt zu adressieren.
Medizinischer Bedarf bei zunehmenden Antibiotikaresistenzen
Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae, dem Erreger der Gonorrhö, nehmen weltweit zu und stellen ein wachsendes Gesundheitsproblem dar. Besonders kritisch ist die zunehmende Resistenzentwicklung gegenüber bestehenden Antibiotika, die zu Therapieversagen, verlängerten Krankheitsverläufen und schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Dazu zählen unter anderem Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten sowie eine erhöhte Übertragung von HIV.
Neben den gesundheitlichen Folgen entstehen erhebliche ökonomische Belastungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die weltweiten Kosten durch Behandlung und Produktivitätsverluste auf mehrere Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt NTSC-2 die Weiterentwicklung des neuartigen Antibiotika-Kandidaten Darobactin, der gegen gramnegative Bakterien wirksam ist. Bei Gonokokkeninfektionen handelt es sich ebenfalls um Infektionen durch gramnegative Bakterien, die durch eine zusätzliche äußere Zellmembran gekennzeichnet sind und dadurch oft besonders schwer zu behandeln sind. Ziel ist es, eine neue Behandlungsoption speziell für Gonokokkeninfektionen zu schaffen.
Optimierung eines neuen Antibiotikums und präklinische Validierung
Im Zentrum der Arbeiten steht die Verbesserung der oralen Bioverfügbarkeit von Darobactin, also der Fähigkeit des Wirkstoffs, nach Einnahme über den Mund ausreichend in den Blutkreislauf zu gelangen. Dies soll durch semisynthetische Modifikationen sowie sogenannte Prodrug-Ansätze erreicht werden, bei denen der Wirkstoff zunächst in einer Vorstufe verabreicht wird und sich erst im Körper in die aktive Form umwandelt. Parallel dazu wird ein präklinischer Proof of Concept in einem Mausmodell der gonokokkenbedingten Infektion des unteren Genitaltrakts durchgeführt, um die Wirksamkeit von Darobactin nach systemicher (z. B. über Injektion) zu untersuchen.
Das Verbundprojekt ist arbeitsteilig organisiert. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und das Helmholtz-Institut für Pharmaforschung Saarland (HIPS) übernehmen die Koordination von Wirkstoffproduktion, mikrobiologischen Untersuchungen und ADME-Studien (Absorption, Distribution, Metabolismus, Exkretion). Die Leibniz Universität Hannover verantwortet die semisynthetische Weiterentwicklung sowie die Untersuchung des in vitro Sicherheitsprofils.
Ziel des Projektes ist es, die präklinische Entwicklung in spätere klinische und regulatorische Phasen zu überführen und eine spätere Translation in die industrielle Anwendung zu ermöglichen.
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