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Ethris bringt mRNA-Impfstoffe gegen Pandemie-Influenza voran

Das GO-Bio-geförderte Unternehmen Ethris erhält mit dem europäischen NOFLU Konsortium 13 Mio. Euro EU-Förderung. Entwickelt werden soll ein mRNA-Impfstoff, der Grippeviren schon in den Atemwegen abfängt und so dazu beitragen kann, Europa besser auf eine pandemische Grippe vorzubereiten.

Ethris
© Matthieu – stock.adobe.com

Impfschutz direkt an der Eintrittspforte

Das Biotechnologieunternehmen Ethris aus Planegg entwickelt gemeinsam mit dem europäischen NOFLU Konsortium neuartige mRNA-Impfstoffe gegen pandemische Influenza. Die Europäische Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales fördert das Vorhaben zunächst mit 13 Millionen Euro.

Das Konsortium arbeitet an einem Impfstoff, der über die Nase verabreicht wird. Er soll damit, dort wirken, wo Grippeviren zuerst in den Körper gelangen: an den Schleimhäuten der Atemwege. Klassische Impfstoffe werden meist in den Muskel gespritzt und lösen eine Immunantwort im ganzen Körper aus. Der neue Ansatz soll zusätzlich direkt an der Eintrittspforte des Virus - den Atemwegen - wirken. So könnte das Immunsystem Viren früher erkennen, ihre Vermehrung bremsen und die Weitergabe an andere Menschen verringern.

mRNA als Bauanleitung für das Immunsystem

Ethris bringt dafür seine mRNA-Technologie in das Konsortium ein. mRNA lässt sich vereinfacht als eine Art Bauanleitung für Körperzellen beschreiben: Sie enthält die Information, um für kurze Zeit ein bestimmtes Protein herzustellen. Dieses Protein kann dem Immunsystem zeigen, worauf es reagieren soll. Bei Ethris geht es um eine stabilisierte Form der mRNA. Sie wurde so entwickelt, dass sie im Körper ausreichend lange aktiv bleibt und zugleich keine unerwünschte Immunreaktion gegen die RNA selbst auslöst. Die zugrunde liegende Technologie wird als stabilisierte, nicht-immunogene mRNA bezeichnet.

Erste klinische Studie geplant

Im NOFLU-Projekt soll nun geprüft werden, wie sich dieser Ansatz für Impfstoffe gegen pandemische Influenza nutzen lässt. Die erste Förderphase ermöglicht den Start einer klinischen Phase-1-Studie. Dabei vergleichen die Partner unter anderem zwei Verabreichungswege: die klassische Injektion in den Muskel und die Gabe über die Nase. Untersucht werden Sicherheit, Machbarkeit und Immunantwort. Bei erfolgreichem Verlauf stellt die European Health and Digital Executive Agency für eine Phase-2-Studie bis zu 35 Mio. Euro und für eine Phase-3-Studie bis zu 100 Mio. Euro in Aussicht.

Europäische Partner bündeln ihre Expertise

Zum NOFLU-Konsortium gehören neben Ethris weitere Partner aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Italien. Sie decken verschiedene Schritte der Impfstoffentwicklung ab - vom mRNA-Design und der Formulierung über präklinische Forschung und klinische Studien bis zur immunologischen Analyse. Dieser integrierte Entwicklungsansatz soll dazu beitragen, wissenschaftliche Expertise und praktische Entwicklungserfahrung zusammenzubringen und die europäische Pandemieprävention zu stärken.

„Wir sind davon überzeugt “, so Dr. Carsten Rudolph, Gründer und Geschäftsführer von Ethris, „dass die differenzierte mRNA-Impfstofftechnologie von Ethris ein enormes Potenzial birgt, um zur Eindämmung von Influenza-Pandemien beizutragen, indem sie die Virusvermehrung in den Atemwegen stoppt.“

Frühe GO-Bio-Förderung als Entwicklungsschub

Das Bundesforschungsministerium hat Ethris bereits in einer frühen Phase der Technologieentwicklung unterstützt. Ethris erhielt von 2011 bis 2015 eine GO-Bio-Förderung von rund 2,5 Millionen Euro, um RNA-basierte Biopharmazeutika weiterzuentwickeln. Die Entwicklung von Ethris zeigt, wie aus einer risikoreichen biotechnologischen Idee mit Hilfe öffentlicher Förderung in den Anfängen über viele Jahre ein international anschlussfähiger Entwicklungsansatz und ein erfolgreiches Unternehmen entstehen können.